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Auf der Höhe
"Oberhalb von Sichenhausen zur Passhöhe hin an der Kreuzung, welche 'Im Lang' heißt, treffen die Pfade von Herchenhain nach Mullstein und von Burkhards nach Ilbeshausen vor dem Oberwald zusammen. Daselbst sprach eine schöne weiße Frau einmal den Herchenhainer Schäfer darum an, dass er den folgenden Tag mit seinem kleinen Kinde herkommen möge, damit dieses sie dreimal küsse und also von ihrer Strafe erlöse. Der Schäfer willfahrte ihr, und die weiße Frau hatte schon das Kind auf dem Arme, als die Schäfersche atemlos daher gerannt kam und voll Bosheit, weil die glaubte dem Kind geschähe etwas, ihr zurief: 'Willst du gleich mein Kind gehen lassen!' Alsbald setzte die weiße Frau dasselbe auf den Boden und ging weinend hinweg. Man hat sie seitdem nie wieder gesehen."

Bild: Bizarre Gestalten im Oberwald.
Wenn Nebel das Niddertal heraufziehen und sich an den Hängen des Vogelsberger Oberwaldes stauen, kann man auch heute noch schemenhaft geisterhafte Erscheinungen zu erkennen. Dichter Wald, knorrige Baumriesen und bizarre Felsen regen zudem die Phantasie an.

Bild: Durch die Stille des Oberwalds.
"So ist von Sichenhausen das Tal aufwärts nach dem Oberwalde eine Stelle, wo früher ein Hof stand. Nah dabei heißt man es 'uffem Kringel'; da sollen zwei überirdische Reiter umgehen. Sie haben Hüte auf dem Kopf mit Tressen daran, einer, wie der andere, und reiten dicht neben einander her. Aber ihre Pferde berühren den Wasen (Grasboden) nicht mit den Hufen, sondern schweben nur so drüber hin. Nach etlichen Augenblicken, wenn man sie gesehen hat, sind sie wieder in der Luft zerflossen. Auch ein unheimlicher, furchtbarer Hund schnurrt dann allemal vorüber, wann sie sich zeigen, und setzt die Arbeitsleute im Feld in Ängste."
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